Wir stehen in Lauterach in der Dammstraße 3 mitten in der Halle von i+R Holzbau. Wir blicken etwa 12 m nach oben. An der Decke der Halle gleiten drei Laufkräne mit je 5 Tonnen Tragfähigkeit auf filigranen Holzbalken. Wenn das nur gut geht, denken wir uns.

Und es geht gut: Die Lastverteilung der Kräne ist dank der großen Festigkeit des Holzes – einer Neuentwicklung aus dem Hause Pollmeier in Deutschland – gar kein Problem. Überhaupt ist diese neue Halle von i+R Holzbau ein spannendes Neukapitel zum Thema Holz im Gewerbebau: Erstmals wurde hier das industriell hergestellte Furnierschichtholz Baubuche eingesetzt. Dort, wo vormalig Nadelhölzer verwendet wurden, gewinnt die Buche zunehmend an Bedeutung.

Produktionshalle-Lauterach-i+R
unser-holz-i+R-Baubuche
Baubuche-3-i+R-unser-holz
i+R-Baubuche-Trägerbalken
i+R-Funierschichtholz-Baubuche

Holz und Technologie
Aber was ist Baubuche eigentlich? Bei diesem Werkstoff handelt es sich um ein Furnierschicht-
holz aus regionalem Buchenholz, das in einem hochtechnologisierten Verfahren hergestellt wird. Dabei werden 3 mm starke Schälfurniere faserparallel bzw. kreuzweise verleimt und zu Trägern, Platten, Paneelen und Fußböden weiterverarbeitet.

»Holz als Baustoff wird künftig in allen Bereichen eine große Bedeutung haben. Als heimischer Werkstoff besticht es durch geringe CO2-Werte und niedrige Lebenszykluskosten bei Bauwerken«, erklärt Bau- und Zimmermeister Hermann Böhler, Geschäftsführer der i+R Holzbau.

Das gilt auch in hohem Maße für die Baubuche, die dank ihrer hohen Festigkeit wesentlich schlankere Bauteile als Nadelholzwerkstoffe ermöglicht. Außerdem ist Buchenholz in Mitteleuropa gut verfügbar, es bietet hervorragende technische Eigenschaften, z. B. eine hohe Tragfähigkeit, weshalb es zukünftig auch im konstruktiven Holzbau zum Einsatz kommt.

Ein weiterer Pluspunkt, der für die Buche spricht, ist ihre hohe Oberflächengüte, die sie auch im Sichtbereich glänzen lässt. Zu guter Letzt ist es möglich, durch die wirtschaftliche Fertigungstechnologie Konstruktionen aus Baubuche auf dem gleichen Preisniveau zu halten wie herkömmliche Nadelholzkonstruktionen.

»Baubuche hilft durch ihre Eigenschaften, die Transportkosten zu senken und ist damit letztendlich auch ein Beitrag zum Umweltschutz.«

Hermann Böhler
Geschäftsfüherer i+R Holzbau

Baubuche in der Praxis
Was bedeutet das nun in der Praxis? Der Neubau der i+R-Halle in Lauterach sollte höher sein als die beiden bestehenden Hallenschiffe. Durch die Verwendung des neuen Werkstoffes konnte das Dachtragwerk deutlich niedriger geplant werden. »Was in diesen Dimensionen sonst nur mit Stahl umsetzbar wäre, können wir jetzt auch in Holz machen. So lassen sich gedrückte Bauwerke mit möglichst hohen Raumhöhen umsetzen«, sagt Geschäftsführer Hermann Böhler. Und weiter: »Baubuche ermöglicht ein Einsparungspotenzial des Trägerquerschnitts um 30 bis 55% im Vergleich zu herkömmlichen Fichtenbindern. Das Tragwerk unserer neuen Halle wäre mit einer Spannweite von ca. 17 m als Fichtenkonstruktion nur in der doppelten Breite der Träger ausführbar gewesen.«

So sind architektonisch anspruchsvolle, schlankere Holzkonstruktionen möglich: »Jeder, der in die neue Halle kommt, schaut nach oben und sagt, das sei ein Wahnsinn«, freut sich Böhler.

Kran auf Holz
Für den Einsatz der Baubuche gebe es zahlreiche Möglichkeiten, die noch nicht ausgereizt seien, meinen die Verantwortlichen. Böhler denkt dabei an Stützen, Dachträger oder Sparren. Und dass mit dem neuen Werkstoff rank und schlank gebaut werden kann, beweisen die Kranbahnen in der Halle: Sie sind ebenfalls aus Baubuche realisiert und sparen im Vergleich zu Fichtenholz 20 cm Bauhöhe. Die drei Einfeld-Laufkräne mit je 5 Tonnen Tragfähigkeit gleiten über eine dünne Stahlschiene, die direkt auf die Balken geschraubt ist. Die Lastverteilung ist dank der großen Festigkeit des Holzes kein Problem.

Bei mehreren anstehenden Industriebau-Projekten kann sich der Geschäftsführer die Umsetzung mit Buche gut vorstellen: »Die Baubuche hilft durch ihre Eigenschaften, die Transportkosten zu senken und ist damit letztendlich auch ein Beitrag zum Umweltschutz«, meint Böhler abschließend.