Wenn man durchs Lochauer Schwarzbad am Mühlebach spaziert, verändert sich die  Landschaft  schlagartig: ein aufgestauter Bach und zahlreiche gefällte Bäume säumen das Ufer. Untrügliches Zeichen für einen Biber im Revier. Agnes Steininger, Biberbeauftragte des Landes, hat uns zum Thema Biber spannende Erkenntnisse geliefert.

Agnes, wir stehen hier in einer wilden Landschaft, für deren Zustand der Biber verantwortlich  zeichnet. Inwiefern ist die Biberpopulation schädlich?
Wir müssen das Ganze ein bisschen aus seiner Historie betrachten: Der Biber war seit 350 Jahren hier nicht mehr heimisch. Das heißt, die Fläche der Auwälder ist zurückgegangen und wir sind den Anblick von gefällten und angenagten Bäumen nicht mehr gewohnt. Der Biber muss aber als nachhaltiger Landschaftsarchitekt betrachtet werden. D. h., er fällt nicht wahllos Bäume, sondern lichtet die Wälder. Bevor er ein Gebiet kahlschlägt, sucht er sich ein neues für seine Holzfällerarbeiten. So kann sich der Wald immer wieder erholen.

Wenn man den vermeintlichen Schaden betrachtet, den der Biber verursacht, stellt sich die Frage, ob es nötig ist, die Biberpopulation künstlich zu limitieren?
Nein, sicher nicht. Der  Biber limitiert sich auf natürlichem Wege selbst. Wenn wir von zwei bis drei Jungtieren pro Jahr sprechen, so überlebt etwa die Hälfte der Biber. Die größte Gefahr droht den Jungtieren auf ihrer Wanderung, denn sie müssen sich ihre eigenen Reviere suchen. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Biber von einem Auto überfahren wird.

Außerdem funktioniert die Entnahme nicht. Denn wenn ich ein Tier entferne, siedelt sich ein Jahr später sicher ein neuer Biber an. Trotzdem nehmen wir Bedacht, dass wir das natürliche Gleichgewicht erhalten können und es ein gutes Miteinander von Mensch und Tier gibt. Grundsätzlich bekommen wir viele positive Rückmeldungen und glauben, dass der Biber in der Bevölkerung gut aufgenommen wird. Dass das so bleibt, ist unsere Aufgabe.

Was gehört noch zu euren Aufgabengebieten?
Wir sind einerseits der Biberanwalt, achten aber andererseits auf ein gedeihliches Miteinander. Wir bemühen uns um Aufklärung in der Bevölkerung und sind bei allfälligen Fragen gerne für alle da. So mussten wir z. B. beim Mühlebach in Lochau den Damm öffnen, denn dort hatte sich schon zu viel Material abgelagert, sodass sich der Bach zu weit zurückstaute.

Welches ist der große Nutzen des Bibers?
Der Biber war – wie gesagt – schon früher da. Man darf ihn getrost als Landschaftsarchitekten bezeichnen,  der Lichtungen schafft und für Totholz sorgt, wo sich zahlreiche Insekten und Amphibien tummeln. Er schafft also für viele Arten neue Lebensräume. Wir kommen dann ins Spiel, wenn bei den Aktivitäten des Bibers nicht alles nach Plan läuft. Besonders bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei den Bauhöfen der betroffenen Gemeinden und bei der Abteilung Wasserwirtschaft, die uns in unserem Bibermanagement tatkräftig unterstützen, sei es durch Drahtgitterschutz, Baumfällungen usw.

Wir stehen hier vor dem Biberdamm. Was ist der Unterschied zwischen Damm und Burg?
Die beiden dürfen nicht verwechselt werden. Der Damm in Lochau liegt kurz vor der Mündung des Baches in den See. Die Burg befindet sich weiter bachaufwärts. Oft graben sich die Biber in Uferböschungen, in Lochau hat er einen vorhandenen Erdwall okkupiert. Und wenn Nachwuchs ansteht, so wird die Biberburg vergrößert. Wie bei den Menschen.

Habt ihr euren Bibern Namen gegeben?
Nein, denn die Biber sind im Wasser kaum zu unterscheiden. Am ehesten erkennt man sie an ihrem Schwanz  oder  an anderen Kleinigkeiten. Aber im Wasser sind sie eben kaum zu unterscheiden. Mein Neffe  hat  den  Lochauer  Biber allerdings Max getauft. Seitdem heißt jeder Biber in Lochau Max.

Vielen Dank für das Gespräch.