Im 3. Teil unseres Interviews mit DI Peter Feuersinger, Abteilungsleiter der Abteilung Forstwesen an der BH Bregenz, haben wir uns über das Waldsterben in den 70ern und Plenterwälder unterhalten.

Ende der 70er Jahre ging ein großer Aufschrei durch Europa. Das Waldsterben war allgegenwärtig. Wie ist diese Entwicklung heute aus deiner Sicht zu beurteilen?
Das Waldsterben war damals besonders ein Ergebnis der zu hohen Schwefelemissionen. Weil die Politik hier relativ rasch reagiert hat, konnte die Problematik des sauren Regens gestoppt werden. Schwer- und Heizöle wurden entschwefelt, man einigte sich auf verbindliche Abgaswerte für Pkw, später wurden Luftreinhaltepläne eingeführt und Katalysatoren vorgeschrieben. Durch diese Regulierung wurde der Hauptverursacher des Sterbens eliminiert, die Wälder konnten sich wieder erholen und man kann eigentlich von einer Erfolgsstory des Umweltschutz sprechen.

Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es heute noch immer Schadstoffe gibt, die die Umwelt belasten. Derzeit befindet sich zu viel Stickstoff im Waldsystem. Erkennbar wird das an der starken Bodenvegetation, besonders an den sticktoffliebenden Pflanzen wie beispielsweise den Brombeeren, die sich massiv ausbreiten. Deshalb können Jungpflanzen nicht mehr so aufkommen wie nötig. Zu sehen ist das vor allem in Gebieten mit viel Viehwirtschaft. Das führt dann in weiterer Folge zur Zerstörung der Wurzelverpilzung der Bäume – Mykorrhiza – und damit zu Nährstoff- und Wasserengpässen der Bäume.

Wie kann man einer solchen Entwicklung entgegenwirken?
Wichtig wäre in diesem Zusammenhang eine Messung der Stickstoffwerte. Erst, wenn wir Ergebnisse haben, können wir uns überlegen, was zu tun ist. Doch wenn man die Reaktionen der Pflanzen im Wald sieht, so deutet so manches auf eine Stickstoffüberbelastung hin. Ein Wald kann wie ein Buch gelesen werden, wenn man dessen Kreisläufe kennt. Und: Pflanzen reagieren immer auf sich ändernde Umwelteinflüsse.

Wenn man von solchen Krankheiten hört, stellt man sich unweigerlich die Frage, wie es um die Vorarlberger Wälder bestellt ist. Was meint der Experte dazu?
Grundsätzlich ist diese Frage nicht so einfach mit gut oder schlecht zu beurteilen. Viele Wälder sind in einem guten Zustand, andere wieder in weniger gutem Zustand. Manche Wälder sind baumartenverarmte Monokulturen, mache sind tolle Mischwälder, andere leiden unter verstärkten Wildschäden. Auch die Klimaerwärmung trägt das Ihre dazu bei, dass die Bäume Stress haben. Wenn sich die Temperatur um 2 Grad erhöht, wird es zu einer Wanderung der Waldgesellschaften oben kommen. Auch neue Baumarten werden sich bei uns ausbreiten – z.B. die Edelkastanie. Wichtig sind baumartenreiche Mischwälder, da diese die vielen Funktionen die der Wald trägt am besten erfüllen können.

Wie funktioniert die Waldpflege bei uns im Ländle?
Vorarlberg ist bekannt für seine naturnahe Waldwirtschaft, allen voran die Plenterwirtschaft. Auf diesem Gebiet hat Vorarlberg weltweit einen sehr guten Ruf. Bei der Plenterwald-Bewirtschaftung werden nur Einzelstämme nach ihrer Stärke aus dem Wald entnommen. Dadurch regeneriert sich der Wald von selbst und hat kein Alter und kein Ablaufdatum. Diese Art der Bewirtschaftung hat bei uns große Tradition und wurde über Generationen hinweg besonders im Bregenzerwald gepflegt.
Plenterwälder brauchen unbedingt eine aktive Bewirtschaftung, sonst stirbt das System. •

DI Peter Feuersinger, Abteilung Forstwesen, BH Bregenz
im Interview mit Klaus Feldkircher