Erraten, wir sind beim Jassen, Vorarlbergs beliebtestem Volkssport. Eine der vier Farben ist – Eichel. Und die Eiche ist auch als Baum ein besonderes Pflänzchen. So machen Eichen in Deutschland etwa 10% des Gesamtwaldbestandes aus, das sind ca. 1,1 Mio. ha, in Österreich liegt der Anteil bei ungefähr 2%, dies entspricht einer Fläche von etwa 66.000 ha (Quelle: waldschutz.at).

Erkennbar ist die Eiche nicht unbedingt an ihrer Höhe von 25-30 m. Vielmehr sind es der Stamm und die Krone, die die Eiche zu einer massiven Schönheit machen: Der Stamm wird bis zu drei Meter breit, versehen mit einer gewaltigen Krone mit den charakteristischen rund 10 Zentimeter langen Blättern und Eicheln. Außerdem hat die Eiche, die aus der Familie der Buchen stammt, über 600 Verwandte. In Österreich sind vier davon heimisch: die Stieleiche (Quercus robur), die Traubeneiche (Quercus petraea), die Zerreiche (Quercus cerris) und die Flaumeiche (Quercus pubescens). Zusätzlich wird noch die Amerikanische Roteiche (Quercus rubra) angebaut. Sie kommt als eine der wenigen Baumarten im Nieder-, Mittel- und Hochwald vor und gehört damit zu den wertvollsten und vielseitigsten Holzarten.

Die Eiche kann auf eine lange, bedeutungsvolle Geschichte zurückblicken. Im alten Griechenland war sie der heilige Baum des obersten Gottes Zeus, bei den Germanen wurde sie mit dem Donnergott verbunden. Bei den Druiden symbolisierte dieser Baum das männliche Prinzip. Vor ihrem Wahrsagen sollen sie die Früchte der Eiche gegessen haben.

In Zeiten der Romantik wurde die Eiche zum Symbol von Treue, Standhaftigkeit und Beständigkeit, während im Nationalsozialismus die Kriegshelden mit dem Ritterkreuz »mit Eichenlaub« geehrt wurden.

Eichen sind seit jeher begehrt: im Mittelalter, um das Vieh vor Gewitter, Sturm und Sommerhitze auf Waldweiden zu beschützen. Im Herbst dienten sie als Lieferant für Mastfutter. Aus dieser »Baumnutzung« blieben sie auf Waldweiden erhalten, wie hier im benachbarten Maienfeld: Eichen mit 300 und mehr Jahren.

Multifunktional durch seine Eigenschaften
Was aber macht diesen Baum so besonders, dass er ein gerngesehener Gast in unseren Wohnungen und Häusern ist? Das sind zum einen seine Eigenschaften. Die Rohdichte der Eiche beträgt 0,7 g/cm³ und macht sie zu einem besonders harten und schweren Holz. Ihr Quellverhalten ist ausgezeichnet, sie quillt bei einer Holzfeuchteveränderung von 1% um 0,16% – und ist damit viel geringer als bei Buche, Esche oder Kiefer. Die Dauerhaftigkeit, festgelegt in der DIN EN 350-2, ermöglicht es, Möbel aus Eichenholz auch im Freien aufzustellen. Diese Eigenschaften machen das Holz ebenso geeignet für den Möbel- und Innenausbau wie für den Bau im Außenbereich und für Bodenbeläge (Quelle: lamodula.at).

Auch im Wasser- und Schiffsbau wurde und wird Eichenholz verwendet. Ökologisch ist die Eiche wichtig für die Vermehrung von vielen Insektenarten, so kann die Krone bis zu 1000 Arten beherbergen. Im Alter bietet sie Fledermäusen und Vögeln Zuflucht, außerdem hat die Eiche einen hohen Heizwert als Brennholz.

Kunst und Genuss
Doch Eichenholz wird nicht nur im Alltag eingesetzt. Eichenholz war auch in der Kunst schon seit jeher ein beliebter Werkstoff. So hat Hans Brüggemann seinen Passionsaltar im St.-Petri-Dom in Schleswig zwischen 1514 und 1521 aus Eiche gefertigt. Das Altarblatt enthält fast 400 aus Eichenholz geschnitzte Figuren und misst mehr als 12,60 m in der Höhe und 7 m in der Breite und stellt die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu dar.

Auch Künstler wie Pieter Breughel oder Rembrandt haben sich bei vielen ihrer Gemälde auf die Qualität des Holzes verlassen. Unter anderem hat Breughel seine berühmte »Bauernhochzeit« (1568), Rembrandt die »Nachtwache« (1642) und »Ein Christus nach dem Leben« (1648) auf Eiche gebannt.

Und in der Weinreife kommen Eichenfässer – auch unter dem Namen Barrique bekannt – schon seit langer Zeit zum Einsatz. Das Eichenfass dient vielfach dem Ausbau von Wein, aber auch von Whisky und Bier. Das Barrique gibt u. a. Gerbstoffe (Tannine) in den Wein ab. Gemeinsam ist allen in Holzfässern erzeugten Weinen ein gewisses Maß an Oxidation. Noch bis in die 1980er Jahre galt Holzgeschmack beim Wein als typischer Weinfehler.

Eichenholz im Wandel der Zeit
Die Verwendungsmöglichkeiten dieses Hartholzes ließen sich noch viel weiter fortführen. Doch eines ist auffallend: Galt die Eiche noch vor wenigen Jahrzehnten als klobig, schwer und dunkel, so hat sie heute einen Wandel vollzogen. Viele Designer und Möbelbauer verarbeiten das wertige Holz zu eleganten, modernen und schicken Stücken. Dadurch erhält der Raum sein eigenes natürliches Bild und ein Raumklima, das besser wohnen und schlafen lässt. Damit ist die Eiche ein Alleskönner in unserem Lebensraum und war zu Recht der Baum des Jahres 2016.