Wer kann das schon? Auf ein Alter von nahezu 120 Jahren zurückblicken. Und dabei verrichte ich noch meine Arbeit, als ob mich kein Zipperlein plagen würde. Ja, das kann mir keiner nachsagen, dass ich mich in all meinen Jahren, in denen ich so vieles kommen und gehen sah, jemals aus meiner Verantwortung gestohlen habe.»

Zeugin der Geschichte
Ich erlebte noch den alten Kaiser Franz Joseph I., Gott hab ihn selig. Ich sah ein großes Österreich. Ich überstand zwei Weltkriege – unbeschadet. Ich funktionierte in Zeiten des Wirtschaftswunders, ließ mich auch von der Wirtschaftskrise in den 70ern nicht unterkriegen. Ich verfolgte den Börsenaufschwung und deren Crash, die Digitalisierung ging auch an mir nicht spurlos vorüber. Aber ich bin noch immer da – stark und unverwüstlich wie eh und je.

An mein Geburtsjahr als kleine Bandsäge aus dem Hause Reimann, das später von der Firma Weinig übernommen wurde, kann ich mich schon nicht mehr erinnern. Es dürfte zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewesen sein. Eines weiß ich aber noch genau: Johann Schertler hat mich gesehen und schwupp – war’s um uns beide geschehen. Seit dieser Zeit bin ich ein treues Mitglied der i+R-Familie, wie auch die Furnierpresse, die den Umzug 2010 in die Dammstraße leider nicht überlebt hat, und der Schrägaufzug, der heute noch in der »Alten Säge« in der Hofsteigstraße 4 in Lauterach steht.

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Ich habe bisher drei Umzüge in meinem Leben mitgemacht: Meine ersten Jobs verrichtete ich im Sägewerk bei i+R. Mein damaliger Chef Johann Schertler hat immer gut auf mich geschaut, aber die Zeiten waren damals noch anders: Wir arbeiteten von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, samstags machten wir um 5 Uhr Feierabend.

1960 wurden dann die Weichen für mein weiteres Dasein gestellt: Die industrielle Holz- und Türenproduktion wurde aufgenommen. Zwar stand ich noch in den Diensten der Holzbauer, aber nach deren Umzug in die Dammstraße in Lauterach blieb ich bei den Fensterbauern. Zwar wurde auch uns der Platz allmählich zu knapp, sodass wir 2010 ebenfalls in die Dammstraße in Lauterach übersiedelten, aber dieses Mal durfte ich mit.

Kleine Kosmetik – große Wirkung
Ich bekam ein paar kosmetische Eingriffe verpasst – meine Spannungsseile verlaufen seitdem geschützt in einem Formrohr, außerdem bekam ich eine neue Schaltzentrale – aber das Arbeitsinspektorat hat seitdem nichts mehr gegen meinen Einsatz bei den Fenster- und Türenbauern.

Warum ich immer noch hier bin, obwohl es schon modernere Maschinen gibt? Das fragt ihr am besten Harald Spettel, meinen Chef (Anmerkung: Harald Spettel, Produktionsleiter und Tischlermeister i+R Fensterbau).

»Unsere Bandsäge ist uns sehr ans Herz gewachsen. Sie funktioniert tadellos und hat uns noch nie im Stich gelassen.«

Harald Spettel
Produktionsleiter i+R Fensterbau

Harald, mein Herr und Meister
Harald Spettel: Unsere Bandsäge ist uns sehr ans Herz gewachsen. Sie funktioniert tadellos und hat uns noch nie im Stich gelassen. Was sie besonders gut kann? Zum einen hat sie eine sehr hohe Schnitthöhe, wir haben damit schon über 45 cm hohe Schwarten mit einer Breite von 1,5 cm gesägt. Neben einem dünnen Schnitt verfügt sie außerdem über einen mechanischen Vorschub. Eigentlich ist unsere Bandsäge ein Gerät für eine Sägerei, von wo sie ursprünglich auch kommt.

Und was die Lebensdauer der alten Dame betrifft: Ihr Hauptportal mit 5 Tonnen aus Gusseisen ist nicht umzubringen. Einzig bei den Blättern, dem Motorantrieb oder dem Keilriemen könnte einmal etwas sein, aber das kann repariert werden. Die Lady könnte eigentlich nur durch menschliches Versagen in ernsthafte Probleme kommen, wenn z. B. bei der Blattspannung ein Fehler passiert o. Ä. Aber ansonsten ist ein Ende unserer Bandsäge nicht abzusehen. Sie wird uns wohl alle überleben.

Jetzt wisst ihr, was ich besonders gut kann. Ja, der Harald und sein Team, die schauen auf mich. Ich hoffe, wir werden noch viele Jahre zusammen Holz zu Fenstern und Türen verarbeiten.