Urwald – impliziert Abenteuer, giftige Schlangen in Grasgrün, Lianen und undurchdringbares Dickicht, kurz: einen Lebensraum Grün in Grün. Zumindest, was tropische Urwälder betrifft.

Doch Urwälder sind nicht nur in Äquatornähe zu finden, es gibt Natur- und Urwälder auch in unserer näheren Umgebung. So besitzt i+R ein Stück Wald in Buch an der Rotach,  wo sie in die Bregenzerach mündet. Dieses Gebiet ist schon seit Anfang im Besitz des Unternehmens, als Johann Schertler und sein Sohn Rudolf das Holz noch über die Ach nach Lauterach flößten.

Heute hat sich das Unternehmen dazu entschlossen, nicht mehr in das Ökosystem des Waldes einzugreifen, um aus dem Wirtschaftswald mittelfristig einen Naturwald, langfristig einen Urwald entstehen zu lassen. Wir haben uns mit dem Baumexperten Conrad Amber, der dieses Projekt begleitet, unterhalten.

Vom Naturwald zum Urwald (3)
Vom Naturwald zum Urwald (9)
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Du beschäftigst dich schon seit vielen Jahrzehnten mit dem Zustand unserer Wälder und Bäume. Jetzt bist du in dieses langfristig angelegte Projekt von i+R eingebunden. Was haben wir unter einem Naturwald zu verstehen?
Im Naturwald greift der Mensch nicht mehr ins Ökosystem ein. Der natürliche Wald besteht immer als Mischwald aus Nadel- und Laubbäumen, aus Tief- und Flachwurzlern, die sich ergänzen.

Altbäume, sogenannte Habitatbäume, bleiben bis zu ihrem natürlichen Lebensende stehen und sterben dann in einem langsamen Prozess ab. Zuvor konnten sie sich tausendfach vermehren. Die Waldbegründung – Naturverjüngung – geschieht nach der natürlichen Auswahl. Je nach Standort, Bodenqualität und Lichteinfall, Feuchtigkeit setzen sich an den verschiedenen Flächen vermehrt einzelne Baumarten durch.

Und was ist im Gegensatz dazu unter einem Urwald zu verstehen?
Wenn die letzten menschlichen Eingriffe nicht mehr sichtbar sind, z. B. abgesägte Baumstümpfe, entwickelt sich der naturnahe Wald zum Urwald. Bestimmte Pilz- und Flechtenarten, Insektenarten und damit verbunden bestimmte Vogelarten, z. B. Spechte, kehren langsam zurück und sind messbare Indikatoren für einen Urwald. Dies kann über 100 Jahre nach der letzten Holznutzung sein, manchmal sogar über das durchschnittliche Baumalter der beheimateten Baumarten hinaus, das sind 250 bis 400 Jahre. Erst dann ist der Wald völlig autark und reguliert sich durch seine Lebensformen und Organismen selbst.

Welchen Nutzen hat ein solcher Wald für den Menschen und seine Umwelt?
Der wesentliche Unterschied des naturnahen Waldes zum Wirtschaftswald ist zum einen die Abwesenheit des Menschen und seiner sichtbaren Eingriffe, zum anderen ein gesunder, artenreicher Baumbestand, erkennbar an der Artenvielfalt und Altersvielfalt und dem zahlreichen Vorhandensein vielfältigster Organismen. Es gibt einen übergeordneten Wert eines Waldes, der nicht von seiner Holzmasse oder seinen Ausdehnungen abhängt. Diese Werte haben unmittelbar mit der Betrachtung der Zeiträume weit über das menschliche Leben hinaus zu tun.

Ein naturnaher Wald hat schon nach wenigen Jahren der Bewirtschaftung eine andere Optik und wirkt auf den Besucher klarer, kraftvoller, romantischer und in seiner eigenen Ordnung stimmiger. Mit der Zeit entstehen Lebensformen und waldgebundene Organismen, die zum Gesamtorganismus Wald gehören und diesen in seinen natürlichen Lebenszyklen stützen und organisieren: Flechten, Pilze und Moose, Mikroorganismen, Insekten und Tiere sowie unterschiedlichste Pflanzenarten, die erst mit der Zeit wieder heimisch in diesen Waldungen werden.

Genau diese Lebensformen sind für alle »gestressten« Wirtschaftswälder der Umgebung sehr wichtig, manchmal überlebenswichtig. Deshalb sind die Auswirkungen von Naturwaldflächen auf die Umgebung besonders wertvoll.

Gibt es konkrete Auswirkungen auf den Organismus des Menschen?
Der Besuch eines solchen Waldes ist gesundheitsfördernd. Durch Terpene, Terpenoide sowie Phytonzide, die in einem solchen Wald durch die Bäume produziert und über unsere Haut und Lungen aufgenommen werden, verbessert sich unser Blutbild und unsere Gesundheit. Und in einem naturnahen Wald geschieht das natürlich wesentlich stärker und schneller.

Wie können wir uns den Prozess der Begleitung des  Projektes – die Entwicklung des Waldes ohne menschlichen Eingriff – vorstellen?
Eine spannende Begleitung ist die schriftliche Dokumentation des Jetzt-Zustandes und der Veränderungen. Diese müssen auch fotografisch, u. U. auch videografisch, festgehalten werden. Es gilt vor allem ein Zeugnis für die späteren Generationen zu geben. Möglicherweise siedeln sich hier erstmals auch neue Baumarten an, die nicht von wirtschaftlichem Nutzen sind, jedoch für die klimatischen Veränderungen der Zukunft besser gewappnet sind und die Überlebensfähigkeit großer Waldflächen so verbessern. Auch der Jagd kommt eine besondere Bedeutung zu, denn nur mit einem waldverträglichen Wildbestand kann sich der Wald verjüngen und Jungbäume entsprechend dicht und kräftig aufwachsen.

Einen Namen für diese Waldung zu finden, ist ebenso wichtig wie richtig. Dieser soll in die Flurnamenverzeichnisse und letztlich in die Landkarten eingetragen werden und kann so viele Jahrhunderte erhalten bleiben.

Um die Ernsthaftigkeit zu untermauern, sollten namhafte Biologen, Dendrologen, Wissenschaftler und Forscher eingeladen werden, Beobachtungen und Forschungen und Dokumentationen zu erstellen.