Heuer fließt der Waldhonig. Warum? Rudi Hörburger, ein Urgestein der i+R-Geschichte, hat mit uns über sein Hobby gesprochen. Bis zu seiner Pensionierung 2017 verdiente der Krumbacher seine Brötchen in Lauterach. Als gelernter Tischler zeichnete er dabei jahrzehntelang für die Produktion von Fenstern – von ganz besonderen Fenstern – verantwortlich. Das ist die eine Geschichte.

Die andere Geschichte: Seit 1983, also mit 28 Jahren, begeistert er sich für die Imkerei. »Ich habe immer die Natur gesucht«, erzählt der rüstige 60-jährige über seine Leidenschaft. Zu Beginn nannte er drei Völker sein Eigen. Doch nur Imker zu sein war Rudi zu wenig, heute ist der gelernte Tischler Obmann des Imkervereins Krumbach, der 13 Mitglieder zählt. Was ihm dabei aufgefallen ist? »Zurzeit erlebt unser Hobby einen Boom, auch bei den Jungen«, weiß er zu berichten. Die genauen Gründe kann er nicht genau benennen, aber er vermutet dahinter den Wunsch, sich in einer Zeit zunehmender Globalisierung wieder der Natur zu nähern. »Imkerei bedeutet die Symbiose von Mensch, Tier und Umwelt. Ohne ein Miteinander geht es nicht«, erklärt er seine Philosophie.

»Zurzeit erlebt unser Hobby einen
Boom, auch bei den Jungen.«
Rudi Hörburger
Pensionist (i+R Fensterbau) und Imker

Symbiotisches Miteinander
»Durch die Imkerei lernst du beispielsweise die einzelnen Jahreszeiten viel besser kennen. Wann bringen die Bienen welche Pollen, wann beginnen sie zu schwärmen, wann findet der Hochzeitsflug statt und vieles mehr sind einem regelmäßigen Wandel unterworfen«, berichtet Hörburger. Um dann von der Beziehung des Imkers zu seinen Bienen zu erzählen:

Die Honigbiene (Apis mellifera) war ursprünglich ein wildes Waldtier. Die veränderten Umweltbedingungen binden die Bienen heutzutage aber fest an die Imker. Die Situation hat sich während der letzten Jahrzehnte derart verschärft, dass ein Überleben von Bienenvölkern ohne Zutun des Menschen inzwischen nahezu aussichtslos erscheint.

»Naturschwärme sind für mich immer noch etwas Besonderes«, erzählt er: »Ein Volk teilt sich ab einer bestimmten Größe und Stärke im Frühling. Dabei bestimmt nicht die Königin, sondern das Volk den Auszug. Bevor diese schlüpft, formiert sich ein Teil des Volkes nach einer strengen Ordnung: Nur ein bestimmter Teil von Arbeiterbienen, Wächterbienen, Pflegebienen etc. zieht an einen anderen Platz, damit einerseits die Hierarchie im alten, andererseits die im neuen Staat gewahrt bleibt.«

Dabei ziehen die Bienen etwa 50 bis 100 m weiter weg, wo sie sich an einen Baum oder an einen Strauch hängen. Zum Schluss hat sich eine Traube von etwa 1,5 bis 4kg Bienen gebildet, in deren Mitte die Königin hängt. Jetzt »schöpft« der Imker die Traube und verstaut sie in einer vorbereiteten Kiste (Beuten).
»Heute sind solche Naturvölker keine Selbstverständlichkeit mehr«, betont Hörburger. »Ihre bevorzugten Plätze, ein hohler Baum o.Ä., sind rar geworden, dazu kommt die gesunkene Lebensfähigkeit aufgrund der Varroa-Milbe. Sie ist nach wie vor ein großes Problem für unsere Völker. Wenn sie nicht innert der ersten Jahre behandelt werden, führt das unweigerlich zu deren Untergang. Der zweite Grund für das Bienensterben sind die zahlreichen Pestizide, die in der Landwirtschaft verwendet werden.«

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Wald- oder Blütenhonig
Das ist die Gretchenfrage. Der Waldhonig ist an seiner dunkleren Färbung erkennbar. In unseren Breiten ist er viel häufiger als der Blütenhonig, denn die Zeit für dessen Herstellung sei einfach zu kurz bemessen.

Noch vor hundert Jahren fand die Honigbiene optimale Lebensbedingungen in unserer Landschaft vor. Wegen der zunehmenden Intensivierung der Landnutzung und Verarmung vieler Gebiete gingen wertvolle Lebensräume verloren. Besonders gravierend ist die Verarmung der Feldflur, so dass den Bienen vielerorts kein ausreichendes Nahrungsangebot mehr zur Verfügung steht. Tatsächlich stellen heute Ortsrandbereiche und sogar Städte häufig bessere Bienenstandorte dar als die landwirtschaftliche Flur.

Wälder sind aufgrund ihrer naturnahen Bewirtschaftung und Vielfalt ein an sich günstiger Lebensraum für die Honigbiene. Dennoch sind auch hier die Nahrungsbedingungen nicht immer optimal. Dunkle, dichte Fichtenwälder beispielsweise beherbergen nur wenige für Bienen relevante Nahrungspflanzen und sind daher bei großflächigem Vorkommen aus Bienensicht weitgehend uninteressant. Im Zuge einer naturgemäßen Waldbewirtschaftung gilt es also Strukturen zu schaffen, die den Bienen günstige Lebensbedingungen bieten. Durch Pflanzung oder gezielte Pflegemaßnahmen können Baumarten mit hohem Nektar- und Pollenangebot gefördert werden. Viele Baum- und Straucharten eignen sich hervorragend als Bienenweide.

»Um einen echten Blütenhonig herzustellen, müsste schon alles zusammenpassen: das Wetter, die Blütezeit des Löwenzahns und der anderen Pflanzen und so viel mehr. Interessanterweise stammt der Waldhonig nur indirekt aus Pflanzennektar. Für ihn sind die Läuse des Waldes – Buchneria – zuständig. Sie zapfen die frischen Wipfel der Weiß- oder Rottannen an und saugen den Siebröhrensaft ab. Dann »schwitzen« sie diesen Saft aus, der von den Bienen aufgenommen und in der Honigblase fermentiert wird. In der Folge wird er von den Sammlerinnen in den Stock gebracht, wo er erbrochen und von den Pflegebienen weiterverarbeitet wird. So entsteht der Waldhonig.«

»Das ist der Schlüssel unseres Lebens: Durch Respekt und Rücksichtnahme auf die Lebensräume und -gewohnheiten von Pflanzen, Tieren und Menschen entsteht eine für alle fruchtbare Symbiose«, meint Rudi Hörburger abschließend. •