DI Peter Feuersinger ist Abteilungsleiter der Abteilung Forstwesen an der BH Bregenz. Neben seinem Beruf, der ihn tagtäglich in die Natur führt, hat er sich auch privat der Liebe zum Wald verschrieben. Mit seinem Sohn Silvan betreut er mehrere Hektar am Pfänder.

„Nach dieser Arbeit brauchst du kein Fitness-Studio mehr“, meint er. Wir haben uns mit ihm getroffen, um über Besonderheiten der heimischen Wälder zu sprechen.

Peter, du bist Leiter der Forstabteilung des Bezirk Bregenz. Zu Beginn eine allgemeine Frage für unsere Leser: Wie ist es um den Wald im Ländle bestellt?
Vielleicht nähern wir uns dieser Frage zuerst einmal mit ein paar Fakten: Das Land verfügt über etwa 97.400 ha Wald, das entspricht etwa einem Drittel der Gesamtfläche. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist das relativ wenig, dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen steht die Besiedelung des Rheintals dem Waldwachstum entgegen, zum anderen haben wir oberhalb der Waldgrenze, die bei etwa 1.800 – 2.000 m liegt, durch das felsige Gebiet im Sinne des Waldwachstums relativ viel „unproduktives“ Gelände.

Welche Grundfunktionen hat der Wald?
Rund die Hälfte des Vorarlberger Waldes, ca. 49.000 ha, ist Schutz- und Bannwald. Dieser bewahrt Siedlungen und Verkehrswege vor Muren, Lawinen und Steinschlag. Gäbe es diese Schutzwälder nicht, wären mehr als zwei Drittel der Landesfläche bedroht – der materielle Schaden wäre gewaltig. Es liegt in unserer Verantwortung, durch geeignete Waldbehandlung den Schutz für diese Gebiete zu erhalten.

Wie sieht es mit dem Artenreichtum in Vorarlbergs Wäldern aus?
Im Land gibt es praktisch keine „Urwälder“ mehr. Die Artenvielfalt ist in Vorarlbergs Wäldern ähnlich beschaffen wie in vergleichbaren Gebieten: In tieferen Bereichen finden wir Buchenwälder, kommen wir höher, so herrscht ein Mischwald aus Fichten, Tannen und Buchen vor. In mittleren Höhenlagen finden sich Fichten- und Tannenwälder und die Laubgehölze verschwinden langsam. Im hochalpinen Raum herrschen Fichtenwälder vor.

Du hast davon gesprochen, dass es in Vorarlberg keine „Urwälder“ mehr gibt. Mittlerweile gibt es Waldgebiete, die aus der Bewirtschaftung genommen wurden, u.a. in Hohenweiler und Möggers. Welche Vorteile bieten solche „Biotope“?
Im Rohrach, das liegt im Gemeindegebiet von Möggers und Hohenweiler gibt es ein sehr schönes Verurwaldungsprojekt. Ein solches Modell kann Antworten auf verschiedene Fragen geben, z.B., wie sich die Biodiversität in nicht bewirtschafteten Wald entwickelt, wie die Natur auf Umwelteinflüsse reagiert, welche Strategien sie entwickelt. Trotzdem ist auch ein solches Biotop nicht ausgenommen von menschlichen Einflüssen, man denke hier nur an die Regulierung der Wilddichte, an die Schadstoffeinträge von außen, aber auch an den Faktor Globalisierung, der neue Pflanzen und neue Lebewesen mit sich bringt. •

DI Peter Feuersinger, Abteilung Forstwesen, BH Bregenz
im Interview mit Klaus Feldkircher